Weblog von Patrick Goltzsch

Georg Heym - Umbra Vitae

»Umbra Vitae« versammelt die Gedichte, die Heym nach den Arbeiten für »Der ewige Tag« verfasst hat. Sie sind, so legen es die Herausgeber nahe, vom Januar 1911 bis zu Heyms Tod im Januar 1912 entstanden. Den Titel »Umbra Vitae« hätte Heym selbst seinem zweiten Gedichtband geben wollen.

 

Das Verblöden

Der Prozess des Verdummens scheint allgemein bekannt und wird gerne beklagt. Dabei vertrotteln vorzugsweise die Anderen und das in Massen. Wahlweise verblödet das Land, die Jugend, die Menschheit, und daran sind, die Diagnosen lassen keinen Zweifel, externe Faktoren schuld: das Fernsehen, die Werbung, das Internet.

Der Bootsmann

Saßen einander gegenüber zwei alte Herren, der Kugelige mit dem kahlen Schädel rollte den erkalteten Stumpen seiner Zigarre zwischen den Lippen, den Andern mit unverhohlener Skepsis musternd. Dem saß der Elbsegler zurück geschoben auf dem sich bäumenden Schopf grauer Haare, der sprach konzentriert, die Stimme vom Tabak geteert, vom Alkohol gebeizt, leicht brüchig; die übrig gebliebenen Finger der von der Arbeit gezeichneten Hände ruhten auf dem Tisch, …

Tim Daisy - Relucent

Auf seiner zweiten Solo-Unternehmung mit dem Untertitel »Music for marimba, radios and turntables« bringt der amerikanische Perkussionist hier unter anderem eine an John Cage orientierte Musikauffassung mit afrikanischen Rhythmen in Berührung (Player und Link im Artikel).

Johann Gottfried Seume - Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802

Seume - Spaziergang nach Syrakus mit TornisterSeumes »Spaziergang« zieht nicht nur die Stationen seines Fußwegs von Grimma nach Syrakus nach, er beschreibt auch die Veränderungen, die der Tornister-Reisende auf seinem Weg erfährt. Aus dem eher distanzierten Beobachter, der die Veränderungen von Wetter und Landschaft beschreibt und warmherzig die Begegnungen mit den Leuten schildert, denen er anempfohlen ist, wird ein Partei ergreifender Kritiker der Gesellschaft, die er antrifft.

aktualisiert: Carl Einstein - Bebuquin

Die Titelei der Erstausgabe von 1912 bezeichnet das Büchlein als Roman. Thesenschleuder wäre wohl treffender, denn die Figuren in diesem Experiment sprechen selten miteinander sondern eher nebeneinander (wenn nicht ein leeres Zimmer die Hauptfigur in einen Monolog zwingt). Zudem stecken die Thesen nicht nur in den Äußerungen der Protagonisten, sondern der Autor beteiligt sich munter an diesem Spiel: Er bricht der Synästhetik eine Lanze, wenn er Farben zu Gehör bringt oder unterhält mit erhellenden Analogien, wenn der Sonnenstrahl zum Lichtschlag gerät.

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