Georg Heym - Umbra Vitae

»Umbra Vitae« versammelt die Gedichte, die Heym nach den Arbeiten für »Der ewige Tag« verfasst hat. Sie sind, so legen es die Herausgeber nahe, vom Januar 1911 bis zu Heyms Tod im Januar 1912 entstanden. Den Titel »Umbra Vitae« hätte Heym selbst seinem zweiten Gedichtband geben wollen.

Heym befasse sich mit der Verzweiflung und dem Leiden, das die Einsamkeit hervorrufe, die dem städtischen Leben innewohnt, behauptet der franzöische Wikipedia-Eintrag zu Georg Heym. »Wohl bekomm's«, möchte man da sagen. Aber es geht auch weniger flapsig: Die Stadt gehört zwar zu den häufiger wieder kehrenden Motiven in Heyms Gedichten, aber die Vorstellung des Leidenden und speziell an der Einsamkeit in der Stadt Leidenden drängt sich in den Gedichten nicht auf.

In den Vordergrund schiebt sich da eher die Art der Wahrnehmung, die Natur und das von Menschen Gemachte gleichermaßen als Quelle der Sprachbilder verwendet. Und dadurch erscheint das Gemachte manchmal wie natürlich, etwa wenn »Die neuen Häuser« »Klappernd in ihrer Mauern schäbigem Kleid« dastehen. 

Misstrauen kann die monströse Perspektive erwecken, in die Heym etwa in »Die Stadt« wechselt, um die Straßen als deren Adern zu beschreiben. Dabei geraten die Einzelnen unversehens aus dem Blick und geraten zu einer Masse, in der das Einzelschicksal untergeht: »Gebären, Tod, gewirktes Einerlei«.

Um noch einmal kurz das Thema der Morbidität aufzugreifen, mit der Heym gerne in Zusammenhang gebracht wird: Sie führt zur wohl bevorzugten Übersetzung des lateinischen Titels als »Schatten des Lebens«. Aber »Umbra Vitae« kann auch »Zuflucht des Lebens« heißen.

Grundlage der Texte ist die Erstausgabe des Buches im Ernst Rowohlt Verlag von 1912. Sie sind dem Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek entnommen und mit der Vorlage abgeglichen.

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