Und immer auf die 12

The Raid 2: Berandal, Indonesien 2014, Gareth Evans, 150 Min.

Der Prügelfilm ist wieder da.1  »The Raid 2: Berandal« schließt in der Gewissenhaftigkeit, mit der Knochenbrechen, Sehnenschneiden, Zahneinschlagen ausgemalt werden, nahtlos an den Vorgänger an, erzählt aber dieses Mal zumindest im Ansatz eine Geschichte: der überlebende Polizist aus Teil eins geht als verdeckter Ermittler ins Gefängnis, um über den Kontakt zum dort inhaftierten Sohn eines Gangster-Bosses dessen Organisation zu infiltrieren. Die Auseinandersetzungen der konkurrierenden Banden untereinander oder mit der Polizei liefern dem Film dann die Anlässe für seine eruptiven Gewaltexzesse.

Im Hongkong-Kino, das die ursprüngliche Vorlage des Prügelfilms lieferte, gab es das Gehaue selten ohne einen Verweis auf die weltanschaulichen Hintergründe des Kampfsports. The Raid verzichtet auf historische und ideologische Verbrämungen und präsentiert die indonesische Variante, Pencak Silat, als höchst effizient im schmutzigen Existenzkampf. Überhaupt arbeitet The Raid gerne mit Understatement: Auf den Helden wartet zu Hause kein Glamour-Girl sondern die besorgte Mutter eines Kleinkindes, der Killer des Gangster-Clans zieht nicht mit einer Auswahl polierter automatischer Waffen los, sondern bedient sich eines rostigen Säbels. Der Hauptdarsteller kann nicht mit modellierten Muskeln posieren, sondern sieht verdächtig normal aus. Vielleicht ist es diese zur Schau gestellte Geradlinigkeit, die schon dem ersten Teil weltweit eine begeisterte Aufnahme bescherte, und die sich jetzt bei Teil zwei zu wiederholen scheint.

Eine andere Tradition des Prügelfilms nimmt »The Raid 2« allerdings wieder auf und beschäftigt sich (wie auch schon der vor zehn Jahren erschienene thailändische Erfolg Ong-Bak) mit der Frage: Wer prügelt besser? Diese Frage hatte schon Bruce Lee zumindest rhetorisch in seinen Filmen gestellt, indem er Weiße oder gerne auch Japaner zum Duell antreten ließ. The Raid wählt für seinen Protagonisten zwei Gegner aus dem koreanischen Gangster-Film: einer bewaffnet mit dem obligatorischen Baseball-Schläger aus Metall, die andere mit Zimmermannshämmern. Beide durften natürlich vorher schon zeigen, was sie damit anrichten können. 

Kein Film für die ganze Familie.