Musik

El Ombligo - Canción Psicotrópica y Jaleo

El Ombligo ist vor allem ein Projekt des Bassisten Santiago Botero, der zwar regelmäßig mit dem gleichen Tastenmusiker und dem gleichen Schlagzeuger spielt, dann aber nach Bedarf Gitarristen oder Holz- und Blechbläser dazuholt. Der Albumtitel verrät ansatzweise wo die Reise der Musiker aus Bogotá ausgehend von Cumbia hingeht: "Canción Psicotrópica y Jaleo" (psychotropisches Lied und Radau). Der Radau wirkt auf den Bandcamp-Aufnahmen etwas zurückgenommen, beim Konzert in Berlin war da mehr zu hören.

The Dwarfs of East Agouza - Bes

Die drei Zwerge aus dem Westen von Kairo erinnern zunächst an Tinariwen, mischen dann aber die heimatlichen Klängen etwa der landesüblichen Trommeln mit Elektronik und Jazz-Zitaten, um sich im Verlauf der Aufnahmen immer mehr Freiräume zu schaffen (was gegen Ende vielleicht auch etwas zu atmosphärisch gerät). 

 

Tim Daisy - Relucent

Auf seiner zweiten Solo-Unternehmung mit dem Untertitel »Music for marimba, radios and turntables« bringt der amerikanische Perkussionist hier unter anderem eine an John Cage orientierte Musikauffassung mit afrikanischen Rhythmen in Berührung.

Selvhenter - Motions of Large Bodies

Mit zwei Schlagzeugen, Saxophon, Posaune und Geige treten die Damen aus Dänemark an. Identifizieren lassen sich die Instrumente in den meisten Stücken kaum. Es geht eher darum, mit aller Vehemenz eine Klangfarbe zum massiven Ensemble-Sound beizutragen und die Stücke voran zu treiben. Anknüpfungspunkte finden sich vielleicht in der Geisteshaltung der Metall-Jazzer von The Thing oder der Klangfaszination von Nisennenmondai - ganz wunderbar unerhört.

Youtube bietet neben diversen Live-Aufnahmen auch ein Video zur letzten Single (das Format dürfte doch vollständig tot sein) »New Age«: https://www.youtube.com/watch?v=VAsGUQ_WuV8

Tomaga - Futura Grotesk

Die Schlagzeugerin des Londoner Duos sorgt für eine Struktur vertrackt verzerrter Beats, über die sich Sound-Schleifen legen, die Geräusche der Industrial Music mit elektronischen Experimenten zusammen führen. Dabei tragen die beiden ihre Musik so unaufdringlich und gelassen vor, dass das Ganze fast ein wenig entrückt wirkt.

Wie die meisten guten Sachen heutzutage erhältlich über Bandcamp: https://tomaga.bandcamp.com/album/futura-grotesk

Javier Estrada - Tribal Prehispánico

Rhythmen aus der Zeit vor der Eroberung durch die Spanier behauptet der mexikanische DJ hier vorzulegen: Azteken-Disco oder Maya-Techno wäre das dann wohl. Nach staubiger archäologischer Mühsal klingt das Ergebnis nicht, eher nach Freude an der Ironie, aktuelle musikalische Elemente in Anachronismen zu verwandeln. Und nach der These, die Tanztempel von damals und von heute unterschieden sich im Wesentlichen in der Beleuchtungstechnik.

Gibt es auch zum Herunterladen: http://naafi.mx/prehispanico/

Durian Brothers - Das macht modern

Im Umfeld des Düsseldorfer Salon des Amateurs fanden die drei Brüder zusammen (zwei von ihnen hatten schon beim www.institut-fuer-feinmotorik.net zusammengearbeitet). Reduziert auf Klang, Struktur und Rhythmus entwickeln die Brüder einen Drive der teilweise direkt dem Krautrock entlehnt scheint.

Ibliss - Supernova

Mit »Trommelorgie« und »Jazzrock« wird die 1972 erschienene Platte in Krautrock-Kreisen wegwerfend charakterisiert. Das unterschlägt die Möglichkeit, hier in Anlehnung an Osibisa, eine frühe Form europäisierten Afrobeats zu hören. Und dann entwickelt sich da, insbesondere in High Life (eigentlich eine Bezeichnung für populäre Musik aus Ghana), immer wieder ein hypnotisierender Rhythmus.

Alif Naaba - Yiki

Für die jüngere Generation der Musiker aus Burkina Faso ist die Verbindung traditioneller Elemente mit europäischen Klangvorstellungen mittlerweile selbstverständlich. Auf dem vierten Album des Musikers aus Koudougou bilden Rhythmus und Struktur der heimischen Musik die Ausgangspunkte.

Diamond Version - CI

Nach den 5 EPs haben Diamond Version jetzt also ihre klangliche Corporate Identity veröffentlicht. Einige der Titel hatten sie schon auf den EPs herausgebracht und wahren so den Eindruck von Kontinuität auch in der Musik. Auf der Langstrecke des Albums klingt das Chemnitzer Duo entschieden: tanzbar und klangsuchend.

Seiten