Musik

Trio Lolo - Burkinabè

Die Musik des Trios bezieht sich auf die Tradition der Mandinka, eine Ethnie und Sprachfamilie, die in Westafrika verbreitet ist. Der Hang zur Improvisation bewegt sich hier Richtung Jazz, gespielt allerdings auf traditionellen Instrumenten - Flöte, Kora (Kürbisharfe) und Balafon (eine Art Xylophon),

FSK - Akt, eine Treppe hinabsteigend

Nach über 30 Jahren der musikalischen Aus- und Umgrabungen nähert sich die Band den eigenen Wurzeln in NDW und Punk und die Katze beißt sich in den Schwanz. Die charmanten Casio-Klänge von damals bleiben allerdings draußen, statt dessen werden die Kunstauffassung zwischen Marcel Duchamp (Plattentitel) und Velvet Underground (Erykah sagt) nach außen gekehrt und die bekannten Obsessionen der Gender-Diskussion und der musikalischen Identitätsstiftung fortgeführt.

Moritz von Oswald Trio - Fetch

Auch auf der dritten Platte baut das MvOT einen Klangdschungel aus Rhythmen und Dub, mal mit Anklängen an Jazz, dann mit deutlicher Anlehnung an die eigenen Techno-Wurzeln. Das Kunststück: Obwohl es nach repetetiven Mustern klingt, bleibt die Wiederholung aus.

Hilary Hahn & Hauschka - Silfra

Mit Hilary Hahn traf sich Hauschka angeblich auf Island um das eher Unmögliche auszuprobieren: Improvisieren mit einer klassisch ausgebildeten Musikerin (Geige). Hauschkas rhythmisch orientierte Auffassung von Musik (präpariertes Klavier) schwappt dabei häufiger mal ins Getragene, aber glücklicherweise scheint Frau Hahn genauso viel Freude am Experimentieren zu haben wie er.

Neneh Cherry & the Thing - The Cherry Thing

Don Cherrys Tochter dürfte für 7 Seconds mit Youssou N'Dour am bekanntesten sein. Dabei hat sie Anfang der 80er beim Pop Group-Ableger Rip Rig & Panic die hörenswerteren Sachen hinterlassen. Für die aktuelle Aufnahme hat sie die norwegischen Brachialjazzer von The Thing domestiziert, und mischt eigene Stücke mit Cover-Versionen - unter anderem von ihrem Vater. Too Tough Too Die bezieht sich leider nicht auf die Ramones, dafür verbeugt sie sich vor Suicide: Dream Baby Dream.

Evade - Destroy & Dream

Neue Lieblinge: die Jungs und das Mädchen aus Macao (dem portugiesischen Hongkong) lassen die Rhythmen straucheln, geben dem Lärm Raum und vermeiden Heimeligkeit, wenn sie Indie-Klischees mit Elektro-Gewittern unterlaufen. Die etwas atmosphärisch geratenen Studio-Aufnahmen sind durchaus tanzbar gemeint, wie Live-Aufnahmen zeigen (http://www.youtube.com/watch?v=3D-bK-RwtGICM).

Sleigh Bells - Reign of Terror

Nach dem Konzert im Festsaal Kreuzberg wollte ich eigentlich empfehlen, sich die Mischung aus Dampframmendisko und Indie-Pop live anzusehen, aber leider scheint das Duo (gestern abend zu dritt mit zwei Gitarren) schon wieder auf dem Rückweg in die USA zu sein. Dabei war ihr Gesangssolo zur Rhythmusmaschine, die Geräusche aus der Schrottpresse zerhackte, ziemlich hörenswert.

Peaking Lights - 936

Hall dient im Pop normalerweise dazu, dürftige Stücke aufzublähen. Hier spielt der Raum eine tragende Rolle, wenn die Stimme klingt, als wehe sie vom anderen Ende des Hangars zu den Dub-Spielereien herüber.

John Cage - Three Dances

Der handgeschnitzte Techno von Brandt, Brauer, Frick erinnerte stellenweise an Musik von John Cage. In den »Drei Tänzen«, die 1945 für präpariertes Klavier entstanden, kann man die klangliche und hin und wieder auch rhythmische Verwandschaft hören.

Greie Gut Fraktion - Baustelle, Wir bauen eine neue Stadt (Stadtmixe)

Gudrun Gut (Urgestein der NDW mit Malaria) wurde von Antye Greie eingeladen, bei einer Klanginstallation mitzuarbeiten, IIRC. Daraus ist mehr geworden: die beiden haben Baustellen abgeklappert und Töne und Rhythmen gesammelt. Die Elektronik im Studio haben sie dann als Mischmaschine für eine recht eigene Variation von TripHop, Minimal und NDW (Palais Schaumburgs "Wir bauen eine neue Stadt" ist natürlich dabei) verwendet.

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