Musik

Lullatone - Plays Pajama Pop Pour Vous, Presents the Bedtime Beat

Angeblich komponierte er (der Amerikaner) die Stücke in der engen Wohnung in Nagoya, während sie (die Japanerin) schlief. Ihr Pyjama Pop, der als Folktronic durchgehen kann, bemüht sich tatsächlich um die leisen Töne. Was nicht heißt, dass man zu manchen Stücken nicht tanzen könnte - auf Zehenspitzen natürlich.

Various Artists. - The In-Kraut 66-74

Die Musikarchäologen von Marina Records haben sich in die gefürchteten Gefilde des deutschen Tanzbodenjazz gewagt und Erstaunliches zutage gefördert. Zugegeben manches ist schlicht Schrott, anderes taugt nur als Scherz, aber es sind eben auch hörbare Sachen darunter.

Nomo - Ghost Rock

Die Band aus New York versieht ihren Afrobeat mit anfangs vielleicht störenden Geräuschen, die sich aber schnell in Verzierungen wandeln und der Tanzbarkeit vieler Stücke nicht entgegen stehen.

Princess Tinymeat - Herstory

Nisennenmondai erinnerte an eines der Lieblingsstücke überhaupt: "A Bun in the Oven" von der bunten Transe aus Dublin. Minimaler Aufwand, maximaler Ertrag.

Clutchy Hopkins - Shawn Lee & C.H.: Clutch of the Tiger

Es bleibt bei instrumentalem Hip-Hop mit Jazz-Klang, dem allerdings ein wenig der Swing fehlt. Das fällt dann unter den Ellington-Fluch "It don't mean a thing, if it ain't.."

Nisennenmondai - Neji Tori

Nur für hartgesottene Ohren: Die drei zierlichen Japanerinnen lieben Pop Group, Sonic Youth, den Lärm und die Rückkopplung. Das zelebrieren sie ganz gewissenhaft auf den beiden EPs, die für den amerikanischen Markt zu einer CD zusammengefasst wurden.

Juana Molina ‎– Un Día

Die fünfte Soloplatte der Argentinierin, die unbekümmert um Vorbilder sachte und beharrlich ihre Klangerkundungen vorantreibt. An der Oberfläche wirkt die Musik zurückhaltend, beim Zuhören fesseln die Klangideen. Berückend.

Tinariwen - Aman Iman, Amassakoul, The Radio Tisdas Sessions

Die Gruppe gibt es schon seit 25 Jahren, aber die Tuareg-Musiker haben bis 2000 ihre Stücke eher auf Kassetten in den Ländern südlich der Sahara veröffentlicht. Angeblich haben sie nur die traditionellen Instrumente mit den modernen Pendants vertauscht, aber trotzdem lautet die gängige Assoziation "Wüsten-Blues", was zwar einen Eindruck beschreibt, aber der Musik längst nicht gerecht wird. Die ist allein mit dem kehligen Gesang und dem Rhythmus im Passgang wesentlich vielschichtiger.

Kora Jazz Trio - s.t., Part Two

Die drei Musiker leben in Paris und stammen aus Guinea und dem Senegal von wo sie auch die Kora (annähernd: Kürbisharfe) mitgebracht haben, die sie in der klassischen Jazz-Trio-Besetzung neben Klavier und Schlagzeug einsetzen. Normalerweise würde ich Jazz nicht ins Archiv packen, aber hier wird an verschiedenen Stellen die Ausbeutungsrichtung umgekehrt: Nicht Jazzer peppen ihre Stücke exotisch auf, sondern der westafrikanischen Musik wird Jazz beigemengt.

Lhasa de Sela - La Llorona, The Living Road

Im Englischen gibt es die Formulierung »it grows on me« um den Prozess zunehmender Wertschätzung von Musik zu beschreiben. Hier bin ich versucht, nach einer Wendung für das Gegenteil zu forschen. Mit jedem Hören wächst der Verdacht, Edelkitsch vorgesetzt zu bekommen.

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