Der Bootsmann

Saßen einander gegenüber zwei alte Herren, der Kugelige mit dem kahlen Schädel rollte den erkalteten Stumpen seiner Zigarre zwischen den Lippen, den Andern mit unverhohlener Skepsis musternd. Dem saß der Elbsegler zurück geschoben auf dem sich bäumenden Schopf grauer Haare, der sprach konzentriert, die Stimme vom Tabak geteert, vom Alkohol gebeizt, leicht brüchig; die übrig gebliebenen Finger der von der Arbeit gezeichneten Hände ruhten auf dem Tisch, …

Tim Daisy - Relucent

Auf seiner zweiten Solo-Unternehmung mit dem Untertitel »Music for marimba, radios and turntables« bringt der amerikanische Perkussionist hier unter anderem eine an John Cage orientierte Musikauffassung mit afrikanischen Rhythmen in Berührung.

Johann Gottfried Seume - Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802

Johann Gottfried Seume - Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802 - TitelblattSeumes »Spaziergang« zieht nicht nur die Stationen seines Fußwegs von Grimma nach Syrakus nach, er beschreibt auch die Veränderungen, die der Tornister-Reisende auf seinem Weg erfährt. Aus dem eher distanzierten Beobachter, der die Veränderungen von Wetter und Landschaft beschreibt und warmherzig die Begegnungen mit den Leuten schildert, denen er anempfohlen ist, wird ein Partei ergreifender Kritiker der Gesellschaft, die er antrifft.

aktualisiert: Carl Einstein - Bebuquin

Portrait Carl Einstein Die Titelei der Erstausgabe von 1912 bezeichnet das Büchlein als Roman. Thesenschleuder wäre wohl treffender, denn die Figuren in diesem Experiment sprechen selten miteinander sondern eher nebeneinander (wenn nicht ein leeres Zimmer die Hauptfigur in einen Monolog zwingt). Zudem stecken die Thesen nicht nur in den Äußerungen der Protagonisten, sondern der Autor beteiligt sich munter an diesem Spiel: Er bricht der Synästhetik eine Lanze, wenn er Farben zu Gehör bringt oder unterhält mit erhellenden Analogien, wenn der Sonnenstrahl zum Lichtschlag gerät.

Alfred Wolfenstein - Die gottlosen Jahre

Ernst Ludwig Kirchner - Der rote Turm in HalleUnaufhaltsam schrumpft der Himmel, Wolken
Kommen breit aus allen Horizonten,
Fahle fremde Schattenkörper kalken
Ihre Decke über den entsonnten. 

Ein Wetterbericht, der in solchen Worten zunehmende Bewölkung beschriebe, stieße auf Unverständnis. Aber das Alltägliche in gesuchte Worte zu kleiden und es in Versen zu rhythmisieren soll es dem Altbekannten entziehen.

Ernst Stadler - Der Aufbruch

Ernst Stadler - Der Aufbruch TitelAls »Der Aufbruch« 1914 erschien, war Ernst Stadler über 30 Jahre alt, und hatte sich bereits als Herausgeber, Autor, Übersetzer, Literaturwissenschaftler und Kritiker einen Namen gemacht. Der Titel lässt sich mit Blick auf seine Biographie in zwei unterschiedlichen Zusammenhängen verstehen.
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