Goebbels & Harth - Vier Fäuste für Hanns Eisler, Vom Sprengen des Gartens, Der durchdrungene Mensch / Indianer für Morgn, Bertold Brecht - Zeit wird knapp, Frankfurt/Peking

Als Duo fanden Heiner Goebbels und Alfred Harth Ende der 70er bis Mitte der 80er zusammen und experimentierten in den Randbereichen des Free Jazz mit elektronischen Klängen und Rock-Bezügen. Die Brecht-Hommage »Zeit wird knapp« gehört wohl zu den eindrücklichsten Platten, die ich je gehört habe. Den höhnischen Rapport zum »Abbau des Schiffes Oskawa« habe ich auch nach 30 Jahren noch im Ohr. 

Trio Lolo - Burkinabè

Die Musik des Trios bezieht sich auf die Tradition der Mandinka, eine Ethnie und Sprachfamilie, die in Westafrika verbreitet ist. Der Hang zur Improvisation bewegt sich hier Richtung Jazz, gespielt allerdings auf traditionellen Instrumenten - Flöte, Kora (Kürbisharfe) und Balafon (eine Art Xylophon),

FSK - Akt, eine Treppe hinabsteigend

Nach über 30 Jahren der musikalischen Aus- und Umgrabungen nähert sich die Band den eigenen Wurzeln in NDW und Punk und die Katze beißt sich in den Schwanz. Die charmanten Casio-Klänge von damals bleiben allerdings draußen, statt dessen werden die Kunstauffassung zwischen Marcel Duchamp (Plattentitel) und Velvet Underground (Erykah sagt) nach außen gekehrt und die bekannten Obsessionen der Gender-Diskussion und der musikalischen Identitätsstiftung fortgeführt.

Hilary Hahn & Hauschka - Silfra

Mit Hilary Hahn traf sich Hauschka angeblich auf Island um das eher Unmögliche auszuprobieren: Improvisieren mit einer klassisch ausgebildeten Musikerin (Geige). Hauschkas rhythmisch orientierte Auffassung von Musik (präpariertes Klavier) schwappt dabei häufiger mal ins Getragene, aber glücklicherweise scheint Frau Hahn genauso viel Freude am Experimentieren zu haben wie er.

Neneh Cherry & the Thing - The Cherry Thing

Don Cherrys Tochter dürfte für 7 Seconds mit Youssou N'Dour am bekanntesten sein. Dabei hat sie Anfang der 80er beim Pop Group-Ableger Rip Rig & Panic die hörenswerteren Sachen hinterlassen. Für die aktuelle Aufnahme hat sie die norwegischen Brachialjazzer von The Thing domestiziert, und mischt eigene Stücke mit Cover-Versionen - unter anderem von ihrem Vater. Too Tough Too Die bezieht sich leider nicht auf die Ramones, dafür verbeugt sie sich vor Suicide: Dream Baby Dream.

Sleigh Bells - Reign of Terror

Nach dem Konzert im Festsaal Kreuzberg wollte ich eigentlich empfehlen, sich die Mischung aus Dampframmendisko und Indie-Pop live anzusehen, aber leider scheint das Duo (gestern abend zu dritt mit zwei Gitarren) schon wieder auf dem Rückweg in die USA zu sein. Dabei war ihr Gesangssolo zur Rhythmusmaschine, die Geräusche aus der Schrottpresse zerhackte, ziemlich hörenswert.

abonnieren