Von Duesz - Dynamo, Garant

Die Band kommt aus der Stadt, die es nicht gibt (um mal eine Usenet-Antiquität wieder auszugraben), und mischen lässig unbekümmert Techno, Elektronisches und Jazz und bringen mit Spilts tatsächlich eine Verbeugung vor dem Free Funk aus Ornette Colemans »Prime Time«-Zeiten unter. Leider hält die zweite Platte nicht so ganz, was sie auf Dynamo noch versprochen hatten.

Battle Royale

Battle Royale, Japan 2000, Kinji Fukasaku, 122 Min. (Director's cut)

Es fließt Blut, viel Blut, und noch bevor der Film erklärt hat, worum es gehen wird, liegen schon zwei der 42 Schüler tot am Boden.

Battle Royale nimmt sich des kulturpessimistischen Dauerlamentos an, die jungen Generationen würden immer fauler und respektloser (von dümmer, dem dritten Teil des ritualisierten Wehklagens, redet der Film nicht). Und wo es normaler Weise bei der Drohung bleibt, jetzt würden andere Saiten aufgezogen, spielt der Film sie durch. Eine Schulklasse wird auf eine unbewohnte Insel geschafft und die 15-, 16-jährigen Schüler stehen vor der Aufgabe, sich innerhalb von drei Tagen gegenseitig mit zufällig zugelosten Waffen umzubringen, denn nur einer von ihnen darf die Insel lebend wieder verlassen. (Die Idee wurde in »The Hunger Games« nahtlos übernommen.)

Eine Anregung dürfte Battle Royale bei William Goldings Roman »Herr der Fliegen« gefunden haben. Aber Golding meint es mit seiner abstrusen Lehrer-Phantasie ernst, wenn er eine Gruppe von Schülern auf eine einsame Insel verfrachtet, wo sie sich innerhalb kürzester Zeit mit einem Rückfall in Atavismen gegenseitig das Leben zur Hölle machen. 1

Dagegen folgt Battle Royale seinen Protagonisten und ihren unterschiedlichen Strategien, in der ausweglosen Situation zu überleben - als Einzelkämpfer, mit Partnern, mit und ohne Gewalt. Der Film thematisiert seine Anliegen - Hinterhältigkeit und Verrat, Freundschaft und Solidarität - drastisch. Dabei verleiht das sich meist umstandslos einstellende Gemetzel dem Film Comic-Charakter und die sich häufenden, mit dem gebotenen Unernst vorgeführten Gräuel lassen den Film zwischen sarkastischer Satire und Groteske schwanken. »Früher«, so dürfte wohl der Kommentar aus der Ecke der Kulturpessimisten lauten, »hätte es eine solch zynische Geschmacklosigkeit nicht gegeben.« Wie schön, dass wir heute leben.

(In Deutschland steht der Film wegen Gewaltverherrlichung auf dem Index der BPJM.)

Diamond Version - EP4, EP5

Die Herren vom raster noton label sind fleißig und setzen ihre Veröffentlichungen in Häppchen fort. Die Titel ihrer elektronischen Operationen »When performance matters« oder »Operate at your optimum« entnehmen die Sachsen übrigens den Hohlphrasen mit denen Marketing-Fritzen in technoiden Branchen um sich werfen.

Ouetien Dembélé - Avancez!

Die Einflüsse sind weniger vielfältig, der Klang etwas rauher als bei Solo Dja Kabaco, aber das macht Monsieur Dembélé, der sich an Balafon, dem afrikanischen Xylophon, und Djembé, einer Bechertrommel, betätigt mit Verve und druckvollem Spiel wieder wett. Dabei bewegt er sich Richtung Tanzboden, allerdings fehlen die sonst dabei üblichen Spielereien wie hoch gepitchte Vocoder-Stimmen und Synthesizer-Effekte.

Solo Dja Kabaco - Bara Mousso

Wenn ich richtig gelesen habe, handelt es sich bereits um das neunte Album des Musikers aus Burkina Faso, das in diesem Frühjahr erschienen ist. Mit dem, was in Ouagadougou in den Discos läuft, hat die Musik wenig zu tun, sie bedient sich eher traditioneller Formen und Instrumente (Djembé, Bara, Kalebasse, Dum Dum, Balafon), mischt aber verschiedene Einflüsse (unter anderem Griot-Musik, Assouf der Tuareg und Westliches).

Goebbels & Harth - Vier Fäuste für Hanns Eisler, Vom Sprengen des Gartens, Der durchdrungene Mensch / Indianer für Morgn, Bertold Brecht - Zeit wird knapp, Frankfurt/Peking

Als Duo fanden Heiner Goebbels und Alfred Harth Ende der 70er bis Mitte der 80er zusammen und experimentierten in den Randbereichen des Free Jazz mit elektronischen Klängen und Rock-Bezügen. Die Brecht-Hommage »Zeit wird knapp« gehört wohl zu den eindrücklichsten Platten, die ich je gehört habe. Den höhnischen Rapport zum »Abbau des Schiffes Oskawa« habe ich auch nach 30 Jahren noch im Ohr. 

Trio Lolo - Burkinabè

Die Musik des Trios bezieht sich auf die Tradition der Mandinka, eine Ethnie und Sprachfamilie, die in Westafrika verbreitet ist. Der Hang zur Improvisation bewegt sich hier Richtung Jazz, gespielt allerdings auf traditionellen Instrumenten - Flöte, Kora (Kürbisharfe) und Balafon (eine Art Xylophon),

FSK - Akt, eine Treppe hinabsteigend

Nach über 30 Jahren der musikalischen Aus- und Umgrabungen nähert sich die Band den eigenen Wurzeln in NDW und Punk und die Katze beißt sich in den Schwanz. Die charmanten Casio-Klänge von damals bleiben allerdings draußen, statt dessen werden die Kunstauffassung zwischen Marcel Duchamp (Plattentitel) und Velvet Underground (Erykah sagt) nach außen gekehrt und die bekannten Obsessionen der Gender-Diskussion und der musikalischen Identitätsstiftung fortgeführt.

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